
Erfahrungsbericht
Margot R.
Jahrgang 1972, Brustkrebs im Alter von 48 Jahren diagnostiziert

Erfahrungsbericht
Jahrgang 1972, Brustkrebs im Alter von 48 Jahren diagnostiziert
Ende Sommer 2020 habe ich einen harten und schmerzhaften Knoten in meiner rechten Brust ertastet.
Zuerst dachte ich, dass es sich – wie schon früher – um eine Zyste handeln könnte. Ich hatte nämlich schon im Herbst 2018 eine Biopsie wegen einer verdächtigen Gewebeveränderung, die sich damals aber zum Glück als gutartig herausstellte. Trotzdem wurde mir geraten, ab diesem Zeitpunkt jährlich zur Kontrolle zu gehen.
Bis zu meinem nächsten Kontrolltermin im Herbst 2020 bemerkte ich dann aber selber schon, dass der Knoten deutlich größer geworden war, und mein Gefühl sagte mir, dass das ganz und gar nichts Gutes bedeutet. Im November 2020 stand dann nach nochmaliger Biopsie die endgültige Diagnose fest: ich habe ein sehr schnell wachsendes triple-negatives Mammakarzinom.
Es fällt mir immer noch schwer, diesen Schockmoment mit Worten zu beschreiben, denn unsere Tochter war damals gerade erst 11 Jahre alt und mein einziger Gedanke war, dass ich gemeinsam mit meinem Mann noch erleben möchte, wie sie erwachsen wird!
Dank der großartigen medizinischen Betreuung im UK St. Pölten und dem dortigen Brustgesundheitszentrum ging von da an alles sehr schnell mit meinem Behandlungsplan: 6 Zyklen Chemotherapie, danach Operation mit Mastektomie (in Absprache mit meiner Ärztin habe ich mich sicherheitshalber für die Brustentfernung entschieden, weil die Chemotherapie leider nicht angesprochen hat), 15 Bestrahlungen und anschließend noch ein halbes Jahr lang Chemotherapie in Tablettenform.
Neben all diesen medizinischen Behandlungen, die sowohl körperlich als auch seelisch sehr belastend waren, konnte ich mich immer auf die Unterstützung meines Mannes, meiner Familie und meiner Freunde verlassen. Erschwerend kam allerdings hinzu, dass meine Therapie genau in die Zeit der Corona-Pandemie fiel und obwohl ich zusätzlich auch psychotherapeutische Hilfe in Anspruch genommen habe, ließ mich das Gefühl nicht los, mit meiner Situation alleine zu sein.
Bis ich im Krankenhaus auf einen Aushang der Selbsthilfegruppe „Pinke Löwin“ aufmerksam wurde und ich nach einem kurzen Telefonat mit einer netten Dame gleich beim nächsten Gruppenabend dabei sein durfte.
Es war gerade Fasching und am Programm stand ein lustiger Singworkshop. Damit habe ich wirklich überhaupt nicht gerechnet – denn ich liebe es zu musizieren! Diese fröhliche und positive Atmosphäre gleich bei meinem ersten Treffen hat mir sämtliche Berührungsängste genommen und gezeigt, dass in einer Selbsthilfegruppe nicht nur über die Krankheit gesprochen wird.
Ganz im Gegenteil reicht das abwechslungsreiche Programm von gemeinsam Frühstücken, über Vorträge und Ausflüge bis hin zu Spieleabende oder sportliche Aktivitäten.
Aber gerade, wenn wir uns über ernste Themen austauschen, braucht es oft gar nicht viele Worte und wir fühlen uns sofort verstanden. Denn jeder von uns weiß, welche Ängste, Herausforderungen und Hoffnungen eine Brustkrebserkrankung mit sich bringt. Genau dieses Verständnis macht die Selbsthilfegruppe „Pinke Löwin“ für mich so wertvoll und dafür bin ich sehr dankbar.